"Berliner Magnum AG lockt mit zwölf Prozent Rendite"
Die Welt, 26.05.2000
Für Privatanleger werden Genussscheine angeboten, statt geschlossener Immobilienfonds mit ihren Steuertücken
Genussschein statt Aktie - mit ihrer im Juli vergangenen Jahres in Deutschland eingeführten, alternativen Immobilienanlage hat sich die Berliner Magnum AG erfolgreich auf dem Markt etabliert. Nachdem im Januar die erste Ausschüttung an die Genussschein-Inhaber in der prognostizierten Höhe von zwölf Prozent erfolgen konnte, stellt die Immobilienverwaltung derzeit die Weichen für eine weitere Tranche des Wertpapiers.
"Seit dem Wegfall der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für Immobilien erlangt der Genussschein als Anlage mit vergleichsweise hoher Rendite wachsende Attraktivität", freut sich Magnum-Vorstand Peter Brenske (44). Als "Zwitter zwischen Aktie und Anleihe" sei der Genussschein auch für konservative Anleger interessant, zumal er bereits ab einem Wert von 1000 Euro gezeichnet werden könne.
Während Immobilienanlagen früher meist nur als Möglichkeit zur Steuerabschreibung betrachtet worden seien, habe die Magnum AG sie beizeiten als Kapitalanlage wiederentdeckt, betont Brenske. Zu Gute gekommen seien ihr dabei zum einen das "Rekordtief" bei den Immobilienpreisen im vorigen Jahr, zum anderen die niedrigen Bankzinsen für Darlehen. Dass in Berlin 1999 Immobilien im Wert von 24,5 Milliarden Mark die Besitzer wechselten, zeigt für den promovierten Betriebswirt, dass sich die Bundeshauptstadt "zu einem der dynamischsten Immobilien- und Finanzmärkte Europas" entwickele.
Insgesamt hat die Magnum AG im vorigen Jahr nach eigenen Angaben Genussscheine für einen Anlagewert von 20 Millionen Mark verkauft. Das Geschäftsergebnis lag bei knapp 1,4 Millionen Mark im Plus. Mit einem Bilanzgewinn von 968 000 Mark erwirtschaftete das Unternehmen bereits die Hälfte des diesjährigen Solls und kann ihn deshalb für künftige Ausschüttungen auf das Genussscheinkapital zurückbehalten.
Rund 8000 Häuser erfasst die Datei der Immobilienverwaltung derzeit, ein Dutzend davon gehören ihr selbst, finanziert aus Bankdarlehen und dem Genussscheinkapital. Als Anlageobjekte kämen ausschließlich gepflegte Berliner Altbauten in besseren Lagen mit "gesunder" Mieterstruktur und niedrigem Mietzins um 6 Mark Kaltmiete in Frage, sagt Vorstandschef Brenske. Um bis zu hundert Prozent in zehn Jahren hofft die Magnum AG die Quadratmeter-Preise in den von ihr erworbenen Objekten steigern zu können. "Wir wollen ein professionelles Facility- und konsequentes Mietmanagement betreiben, das auch in Berlin den gesetzlichen Spielraum ausschöpft", kündigt der gebürtige Duisburger an.
Dagegen zeigt sich Dieter Blümmel, Sprecher der Berliner Haus- und Grundbesitzervereine, gegenüber allzu optimistischen Mieteinnahme-Erwartungen skeptisch. Auch wenn derzeit wieder ein "Silberstreif am Horizont" des Berliner Immobilienmarkts zu sehen sei, bleibe die weitere Entwicklung abzuwarten.
Dass trotz der erfolgreichen Vorjahresbilanz für Genussscheine keine Zinserträge dauerhaft garantiert werden können, weil etwa Mietausfälle oder steigende Kreditzinsen die Rendite mindern, weiß auch Peter Brenske. Durch den Eintrag ihres Namens ins Grundbuch wie die jederzeitige Veräußerbarkeit der Scheine an der Börse hätten die Erwerber aber mehr Sicherheiten als bei anderen Kapitalanlagen, meint der Finanzmann. Erworben werden können die an der Münchener Börse gehandelten Genussscheine bei jeder Bank zu den üblichen Spesen. Die nächste Tranche in Höhe von 20 Mio. DM hat der Vorstand der Magnum AG schon fest im Blick: Bei "günstiger Zinsentwicklung" könnte diese bereits im Jahr 2001 erfolgen, hofft Brenske.
Archiv MAGNUM - Dr. Peter Brenske
