01.08.2010 00:00 Age: 4 Jahre

Magnum Beteiligung MPH AG: Gleiches viel billiger


Quelle: Focus-Money, 32/2010

MPH Gleiches viel billiger
von FOCUS-MONEY-Redakteur Thorsten Jacobs

Die Pharma-Holding MPH hat sich auf Parallelimporte und Generika spezialisiert. Die Aktie ist ein Geheimtipp für Anleger

Das Airport Center Waltersdorf ist eines von vielen Gewerbegebieten in Deutschland. Wie anderswo auch bieten Möbel Höffner, Ikea und Media Markt ihre Produkte an. Es gibt Tankstellen, Fast-Food-Restaurants, Bäcker, Friseure und vieles mehr. Das Besondere am Standort Waltersdorf aber ist die unmittelbare Nähe zum Berliner Flughafen Schönefeld. Hiervon profitiert vor allem die Haemato Pharm AG, eine Tochtergesellschaft der Mittelständischen Pharma Holding (MPH). Die Firma vertreibt Pharmazeutika. Diese müssen in der Regel schnell und kühl gelagert von A nach B – da ist eine gute Anbindung an Straße, Schiene und Luftverkehr wichtig.

Günstige Bewertung. MPH ist zwar vergleichsweise klein, aber eines der wachstumsstärksten Pharma-Unternehmen in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2010 erzielte die Firma Einnahmen von knapp 55 Millionen Euro. Das entspricht 81 Prozent des kompletten Vorjahresumsatzes. Der Nettogewinn lag mit 5,09 Millionen Euro nach sechs Monaten sogar leicht über dem Gesamtjahr 2009. Nach Steuern erzielte MPH eine Rendite von fast 9,3 Prozent. Der Kapitalmarkt hat die Geschäftsentwicklung honoriert: Seit dem Börsengang im September 2009 stieg die Aktie um mehr als 120 Prozent. Doch das dürfte erst der Anfang sein. Laut MPH-Vorstand Patrick Brenske „wird der Umsatz 2010 bei mindestens 100 Millionen Euro liegen“. Da sich die Rendite nicht verschlechtern werde, ist mit einem Nettoertrag von mindestens 9,3 Millionen zu rechnen. Bei einer Marktkapitalisierung von 99 Millionen Euro ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gut zehn. Auf Basis der erwarteten Gewinne 2011 und 2012 liegt das KGV bei 7,4 und 5,8. Die Börse hat die Ertragsdynamik noch nicht wahrgenommen – das macht MPH zu einem Geheimtipp für Anleger (s. Kasten S. 40).

Dass das Geschäft so rapide wächst, liegt an der Tatsache, dass sich MPH auf zwei große Wachstumsfelder in der Branche konzentriert: Das sind einerseits die Herstellung und der Vertrieb von Nachahmerproduken (Generika) sowie andererseits der Parallelimport von Originalpräparaten. Das Generikageschäft, in dem Medikamente nach Ablauf des Patentschutzes kopiert werden, hatte zuletzt einen Umsatzanteil von zehn Prozent, „auf mittlere Sicht streben wir 20 Prozent an“, sagt Co-Vorstand Christian Pahl. Das scheint machbar: Das Umsatzvolumen für neu zur Verfügung stehende Wirkstoffe wird bis zum Jahr 2013 in Deutschland insgesamt auf über 4,5 Milliarden Euro geschätzt.

Niedrige Preise 

Die große Säule werden jedoch die Parallelimporte bleiben. Das sind Präparate, die von einem PharmaKonzern außerhalb von Deutschland hergestellt und in einem Drittland vertrieben wurden. Beispiel: Novartis  produziert ein Medikament in der Schweiz und exportiert es nach Rumänien. Einen Teil davon kauft MPH günstig auf und verfrachtet die Pillen nach Deutschland, wo die Verkaufspreise deutlich höher sind. In Schönefeld-Waltersdorf werden die Pharmaka in eine neue Hülle umgepackt oder per Aufkleber gekennzeichnet, je nach Vorschrift. Zudem gibt es einen neuen Beipackzettel auf Deutsch. Weil Novartis sein Präparat ebenfalls in Deutschland vertreibt, spricht man von einem Parallelimport.

Derzeit kauft MPH die Medikamente in allen EU-Ländern ein. Von der Beschaffung im Ausland bis in die deutsche Apotheke dauert es im Schnitt zehn Tage. Natürlich sorgt das Unternehmen entsprechend vor, schließlich hat die Firma mehr als 1600 Apotheker in der Kundenkartei stehen. Lieferengpässe kann man sich nicht leisten. Daher ist das Lager mit mehr als 200 Medikamenten und 35 000 Packungen reichlich bestückt.

Dass die Europäische Kommission Parallelimporte fördert, liegt auf der Hand: Sie basieren auf dem freien Warenverkehr im EU-Binnenmarkt und schaffen Wettbewerb. Wer die strengen Auflagen erfüllt, bekommt von den europäischen und nationalen Behörden eine Zulassung. Das sorgt für einen hohen Standard in Qualität und Sicherheit. Obwohl die Arzneimittelpreise in fast allen Mitgliedsstaaten einer staatlichen Einflussnahme unterliegen, gibt es hohe Preisunterschiede. In manchen Ländern werden Originale nicht von den Krankenkassen erstattet. Das zwingt die Hersteller zur günstigeren Abgabe – was sich die Händler zu Nutze machen. So kann MPH beispielsweise ein identisches Mittel zur Brustkrebstherapie für 1350 Euro anbieten, während das Original 1500 Euro kostet. Im Schnitt sind Parallelimporte zehn bis 20 Prozent günstiger, Generika können bis zu 80 Prozent billiger sein.

Große Einsparungen 

Durch die direkt verkauften Parallelimporte sparen die Krankenkassen in Deutschland rund 300 Millionen Euro jährlich. Rechnet man zusätzlich ein, dass die Rabatte der Parallelhändler die Originalhersteller zu Preissenkungen zwingen, dann werden sie indirekt um zusätzliche 2,75 Milliarden Euro entlastet. Dank Generika haben die Kassen 2009 nochmal rund 7,9 Milliarden Euro gespart.

Dass MPH bisher nur in Deutschland aktiv ist, ist kein Manko. Denn der Gesetzgeber fördert billigere Originalpillen. „Die Apotheken in Deutschland sind seit Jahren zur Abgabe eines preiswerten Imports verpflichtet, wenn das Präparat mindestens 15 Prozent oder 15 Euro preiswerter als das Original ist“, so Pahl. Die Apotheker müssen fünf Prozent ihrer Verkäufe durch EU-Arzneimittel abdecken und eine durchschnittliche Ersparnis von zehn Prozent erzielen.

Starkes Wachstum 

Darüber hinaus ist die Pharma-Branche in Deutschland weiterhin auf Kurs. Zwischen 2002 und 2009 stiegen die Forschungsausgaben um 62 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Die Anzahl der Patente legte im selben Zeitraum um mehr als ein Viertel zu – neuer Stoff für Generikahersteller. Damit nicht genug: Der Anteil der Gesundheitsausgaben in Deutschland beträgt rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die OECD-Länder kommen im Schnitt auf neun Prozent. Allein zwischen 1997 und 2007 stiegen die jährlichen Gesundheitsausgaben in Deutschland um knapp 57 Milliarden Euro. Die Importe haben sich seit 2000 mehr als verdreifacht.

Es spricht vieles dafür, dass der Trend anhalten wird. Die Gesundheit wird von immer mehr Menschen als wichtigstes Gut geschätzt. Hinzu kommt die demografische Entwicklung im Land. Das Durchschnittsalter der Deutschen wird auf Grund steigender Lebenserwartung und sinkender Geburtenzahlen von 41 Jahren auf 48 Jahre in der nächsten Generation ansteigen. Spätestens 2040 werden mehr Menschen zwischen 60 und 80 Jahre alt sein als zwischen 20 und 40. Das heißt: Es wird mehr Patienten geben, die wiederum mehr Pharmazeutika benötigen. Hier spielen Generika und Parallelimporte eine wichtige Rolle.

Kein Wunder, dass MPH das Geschäft ausbaut. Derzeit hat die Firma 210 Zulassungen, mehr als fünfmal so viel wie noch 2008. Darunter sind sieben für Generika und 203 für Parallelimporte. „Ende des Jahres werden es insgesamt 250 Zulassungen sein“, sagt Vorstand Brenske. Bei den Therapiefeldern liegt der Schwerpunkt mit 74 Prozent auf Onkologie (Krebs), danach folgen HIV mit 15 Prozent sowie Rheuma und Neurologie (Nervensystem) mit zusammen elf Prozent.

Neues Geschäft 

Zuletzt gründete MPH zusätzlich die Tochterfirma Haemato Vet GmbH. Sie wird sich auf Parallelimporte von Veterinärmedizin spezialisieren. Anfangs geht es um Medikamente für Pferde. Dort sind die Preisdifferenzen groß und die Erlöse hoch – 2011 ist bereits ein einstelliger Millionenumsatz geplant. In den Prognosen ist das neue Geschäftsfeld noch nicht enthalten. Wenn es läuft, kommt es obendrauf. Die Risiken sind begrenzt, weil man sich bewährter Strukturen bedient: Als Drehkreuz dient der Standort Schönefeld-Waltersdorf.

Mittelständische Pharma Holding AG Attraktive Vorzüge MPH hat derzeit zwei Töchter: Die Haemato Pharm AG (Generika und Parallelimporte) und die Haemato Vet GmbH (Tiermedizin). Von MPH gibt insgesamt es 38,05 Millionen Aktien, jeweils 19,025 Millionen Stämme und Vorzüge. Die Stammaktien werden von der Magnum AG gehalten, einer Beteiligungsgesellschaft, die sich auf die Branchen Immobilien und Pharma spezialisiert hat. Die börsennotierten Vorzüge sind für Anleger ein attraktives Investment: Die letzte aktuelle Gewinnschätzung für 2010 liegt bei 0,13 Euro je Aktie – das hat MPH bereits im ersten Halbjahr eingefahren. Für 2011 liegt die Erwartung bei 0,16 Euro je Aktie, realistisch sind aber 0,35 Euro je Anteilschein. Grund: Das Unternehmen rechnet bei Umsatz und Ertrag ab 2010 mit einem durchschnittlichen Zuwachs von mindestens 30 Prozent im Jahr. Die Börse hat die Perspektiven also noch nicht eingepreist. Bezogen auf das Nettoergebnis, könnte MPH im Jahr 2014 rund 30 Millionen Euro verdienen. Zum Vergleich: Der aktuelle Börsenwert liegt bei 99 Millionen Euro. 

Großen Wert legt das Unternehmen auch auf die Dividende: „2009 wurde ein Gewinn von 0,13 Cent je Aktie verdient und an die Vorzugsaktionäre ausgeschüttet“, sagt MPH-Vorstand Christian Pahl. „Auch für die Folgejahre streben wir eine hohe Ausschüttung an.“

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Archiv MAGNUM - Dr. Peter Brenske