06.12.2010 12:16 Alter: 3 Jahre

Magnum Beteiligung MPH AG: "PHARMA: Wo man Pillen billig macht"


Quelle: Märkische Allgemeine vom 06.12.2010

Haemato Pharm verkauft Generika und importierte Original-Medikamente

POTSDAM - Von 800 auf 1600 Quadratmeter hat die Haemato Pharm AG im Schöne-felder Ortsteil Waltersdorf (Dahme-Spreewald) gerade ihre Geschäftsfläche verdoppelt. Das ist bitter nötig. Ein Lager platzt schon aus allen Nähten. Es ist gefüllt mit Arznei-Verpackungen – leeren Verpackungen. Eine der Haupttätigkeiten des Unternehmens mit derzeit noch gut 50 Beschäftigten ist es, die deutsch beschrifteten Schachteln mit Pillen oder Fertigspritzen zu füllen. Die Verpackungen kommen zusammen mit den Originalarznei-Päckchen auf Rollcontainern durch eine Schleuse in einen keimfreien Reinraum. Dort stehen Haemato-Leute in weißer Schutzkleidung schon an Tischen bereit, um ihr Werk zu beginnen. Knapp 20 Angestellte sind nur mit den Umpackarbeiten beschäftigt.

Haemato Pharm kauft Arzneien im Ausland, die hierzulande wesentlich teurer sind, verpackt sie in Boxen mit deutschen Etiketten nebst Beipackzetteln und verkauft sie mit einem gewissen Aufpreis weiter. Ein zweites Geschäftsfeld ist der Vertrieb von Generika, also Kopien von Mitteln, bei denen der Patentschutz ausgelaufen ist. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Medikamenten für die Krebs- und HIV-Behandlung.

„Es gibt nicht so viele Unternehmen, die diese Kombination des Verkaufs von Generika und Importen machen“, sagt Vorstandschef Martin Kalveram. Das Unternehmen scheint auf das richtige Pferd gesetzt zu haben. Noch vor zwei Jahren nahm Haemato Pharm auf einer Liste des Branchen-Dienstleisters IMS Health gerade mal einen Platz unter den größten 900 deutschen Pharma-Unternehmen ein. Bis Ende 2010 peile man schon einen Rang unter den ersten 50 an, sagt Verkaufsleiter Patrick Brenske. Derzeit rangieren die Waltersdorfer auf Platz 83. Die Umsätze spiegeln diesen Aufstieg wider. Sie verfünffachten sich von 2007 (12,7 Millionen Euro) bis 2009 (67,5 Millionen Euro). Die Zielvorgabe für das laufende Jahr heißt 100 Millionen Euro. Dem Wachstum und vor allem dem Bekanntheitsgrad nicht undienlich war wohl auch die Tatsache, dass Haemato zentrale Vertriebsstelle des Schweinegrippe-Impfstoffs Pandemrix an die Apotheken in Brandenburg war (MAZ berichtete).

Generika werden hierzulande immer beliebter. „Sie sind für die Arzneimittelversorgung in Deutschland ein wichtiger Faktor, helfen sie doch eine günstige und zugleich qualitativ hochwertige Versorgung zu garantieren“, sagt die Sprecherin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), Ann Marini. Rein rechnerisch hätten die Kassen nach den aktuellsten Zahlen von 2008 rund 7,7 Milliarden Euro durch entsprechende Verordnungen der niedergelassenen Ärzte gespart.
„Aber wir brauchen auch neue Medikamente“, sagt Kalveram. Ein importiertes neues Produkt kann um zehn bis 20 Prozent günstiger sein als ein deutsches Pendant. Hintergrund ist die unterschiedliche Ausprägung der Gesundheitssysteme. Weil Haemato nur innerhalb Europas kauft, entfallen Steuer- und Einfuhrschranken.

Und so wird in Waltersdorf fleißig neu verpackt oder um-etikettiert. In den kommenden zwei Jahren soll die Belegschaft um weitere 50 Beschäftigte wachsen. Um Preise und Qualität der Medikamente beurteilen zu können, arbeiten auch viele Biochemiker, Pharmazeuten und Kaufleute bei Haemato.
Auch von den importierten Produkten profitieren die Kassen. Die mit Hilfe der günstigeren Produkte gedrückten Preise bei den Originalen eingerechnet, haben die Einfuhren nach Berechnungen des Verbands der Arzneimittel-Importeure zu Einsparungen im deutschen Gesundheitswesen von 2,7 Milliarden Euro jährlich geführt. „Die Herstellerfirmen finden das natürlich nicht so lustig“, sagt Kalveram.

4,5 Millionen Euro investiert das Unternehmen derzeit in den Ausbau, die neue Ausrüstung und die Personalaufstockung. (Von Gerald Dietz)

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